In Oberschwaben, Ostschwaben und im Breisgau konnten wir bei den Beutel-Namen eine auffallende räumliche Nähe zu alten freiheitlichen Genossenschaften, mit eigener Gerichtsbarkeit, feststellen. Unsere Beobachtung wird durch die sogenannten Beutellehen erhärtet.

Während Eugen Haberkern und Joseph Friedrich Wallach (Hilfswörterbuch für Historiker 1, 7. Aufl., Tübingen 1987, S. 63) die Beutellehen völlig ungenügend und unzutreffend als bäuerliche Zinslehen bezeichnen, wurden sie schon 1963 von Wilhelm Abel viel exakter definiert (in: Friedrich Lütge, Geschichte der deutschen Agrarverfassung vom frühen Mittelalter bis zum 19. Jahrhundert, Stuttgart 1963, S. 61/2). Wobei Abel bereits auf die Veröffentlichungen von L. Hauptmann, Colonus, Barschalk und Freimann (in: Wirtschaft und Kultur, Festschrift zum 70. Geburtstag von Alfons Dopsch 1938) und W. Fresacher, Der Bauer in Kärnten, I. Teil: Die persönliche Stellung des Bauern in Kärnten, 1950), zurückgreifen konnte.

Wilhelm Abel schreibt über die Beutellehen: "Seit dem 12. Jahrhundert bilden sich in Bayern und den angrenzenden Gebieten bis nach Kärnten hin Beutellehen heraus. Sie werden teils als verbauerte ehemalige Güter kleinerer Ritter und Edelleute angesehen, teils als ursprünglich ritterliche, dann aber an Bauern zu gehobenem Recht weiter verliehene Güter. Vielleicht sind sie auch als spätere Fortbildungvon ... (anderen freieigenen) Formen zu deuten; womöglich stehen alle diese Formen nebeneinander. Jedenfalls handelt es sich um auch sonst in Deutschland anzutreffende Zwischenformen zwischen ritterlichem Lehen und bäuerlichem Besitzrecht. Mit Rodungsfreiheit haben sie, zumindest im eigentlichen Bayern, offenbar nichts zu tun ... Finden sich doch gelegentlich gerade in den älteren Siedlungsgebieten besonders gute Freiheitsrechte der Bauern, wie etwa die Beutellehen und Freieigen im bayrischen Raum, während im benachbarten Neusiedlungsgebiet solche gehobenen Rechte fehlen; und die ersteren sind nicht oder nicht allgemein auf fränkische Königsfreiheit zurückzuführen."

Was Abel hier über die bayrischen Beutellehen berichtet, gilt prinzipiell auch für die Beutler-Güter des schwäbischen Raumes um Horb-Nagold-Dornstetten. Die Beutler waren weder Handwerker, noch einfache Bauern. Sie zählten zur ländlichen und städtischen Ehrbarkeit, d.h. zu einer herausgehobenen Gesellschaftsschicht. Deshalb bekleideten sie z.B. auch das Schultheißenamt in Rohrdorf und Rotfelden. Der 1432/55 urkundlich genannte Horber Bürger Klaus Butler, der mit Katharina Auldörfin verheiratet war, besaß zwar kein eigenes Siegel, galt aber im positiven Sinne als ehrbar und bescheiden.